Pfarrkirche Leifers in Südtirol

Ort: Leifers, Südtirol
Architekt: Höller & Klotzner
Homepage: https://www.architonic.com/de/c/holler-and-klotzner-architekten/5202941
Fotos: Gerald Langer


Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Ein sensibler Erweiterungsbau ergänzt die mittelalterliche Pfarrkirche St. Anton Abt und Nikolaus in Südtirol

In Leifers im Südtiroler Unterland steht eine Kirche, die zwei Bauepochen perfekt vereint:

Die Pfarrkirche St. Anton Abt und Nikolaus.

Was auf den ersten Blick als einfaches mittelalterliches Kirchlein erscheint, hält im Inneren eine architektonische Überraschung bereit – einen außergewöhnlichen Erweiterungsbau, der 2004 fertiggestellt wurde.

Die Architekten: Höller & Klotzner aus Meran

Pfarrkirche Leifers wurde von den Architekten Höller & Klotzner realisiert. Das meranische Architekturbüro entwarf 2004 einen architektonisch eigenständigen, neuen Sakralraum, der sich städtebaulich exakt in das Konzept des teils mittelalterlichen, teils historistischen Bestands integriert.

Für dieses Werk erhielten die Architekten den 3. Südtiroler Architekturpreis 2004 – eine bemerkbare Anerkennung für ihre sensible Arbeit.

Der Erweiterungsbau: Drei Prinzipien, ein Konzept

Was die Architekten an der Pfarrkirche Leifers leisten, ist Meisterwerk sensibler Denkmalpflege:

Sie schaffen einen klaren, eigenständigen Raum, der den Altbau respektiert und gleichzeitig einen radikalen modernen Kontrapunkt setzt.

Die zentralen Eingriffe:

1. Der 90-Grad-Anbau
Ein neues Kirchenschiff wurde in einem präzisen 90-Grad-Winkel an die alte Kirche angebaut. Diese geometrische Entscheidung schafft eine klare Trennung zwischen Alt und Neu, während beide Bauten dennoch verbunden bleiben.

2. Die verglaste Zwischenzone
Der neue Saal ist durch eine verglaste Zwischenzone vom Altbau abgesetzt. Diese architektonische Lösung lässt Licht zwischen die beiden Baukörper und visualisiert die Trennung physisch – ohne den Zusammenhang zu zerstören.

3. Die Aufnahme der alten Querachse
Die historische Querachse aus Süd- und Nordportal des alten Kirchenschiffs wird im neuen Saal aufgefangen und weitergeführt. Damit verbinden die Architekten sinnfällig die alte liturgische Ordnung mit dem neuen Raum.

Der neue Raum: Drei primäre Elemente

Der Erweiterungsbau der Pfarrkirche Leifers arbeitet mit drei architektonischen Grundelementen, die den neuen Sakralraum definieren:

ElementBeschreibung
Mauerscheibe im WestenEine kräftige, fast monumentale Wandfläche, die den Raum westlich begrenzt
Schräge AltarwandDie leicht nach innen geneigte Altarwand steht schräg – eine dynamische, fast bewegte Form
Dach als ZeltEin zeltartig durchhängendes Dach, das zum Altar hin ansteigt und sich metaphorisch zum Himmel öffnet

Das Dach öffnet sich dabei zum Seitenlicht im Altarbereich – eine subtile Lichtführung, die den sakralen Fokus auf den Altar legt.

Außen und Innen im Kontrast

Die Architekten arbeiten mit einem klaren Materialkonzept:

  • Außen: Geschuppte Buntmetallplatten, die sich vom bestehenden Naturstein und Verputz des Altbau unterscheiden
  • Innen: Weiches Ahornholz, das eine milde, warme Raumstimmung erzeugt

Dieser Kontrast zwischen außen metallisch-modern und innen holz-warm schafft eine bemerkbare Raumhierarchie: Der Außenraum ist monumentaler, der Innenraum menschlicher und liturgisch fokussierter.

Die Adaptierung des Altbau: Vom Hauptschiff zum Foyer

Ein besonders sensibler Eingriff: Das ehemalige Hauptschiff der alten Kirche wurde nur geringfügig adaptiert. Es dient nun als:

  • Multifunktionales Foyer der neuen Kirche
  • Werktagskapelle im alten Chor

Diese Entscheidung zeigt die Denkmalpflege der Architekten: Der Altbau wird nicht als „restauriertes Museum“ behandelt, sondern als funktionales Element des neuen Gesamtgebäudes weiter genutzt.

Baugeschichte in Kurzform

  • 1286: Erste schriftliche Erwähnung des romanischen Kirchenteils
  • 1970er-Jahre: Erste Ideen für eine Erweiterung
  • 2000: Beginn des Neubaus
  • 2004: Einweihung der neuen Kirche

Bedeutung der Erweiterung

Die Erweiterung Pfarrkirche Leifers ist ein bedeutendes Beispiel für zeitgenössische Sakralarchitektur in Südtirol.

Was Höller & Klotzner leisten, ist die sensible Balance zwischen:

  • Historischer Substanzbewahrung
  • Modernem architektonischem Ausdruck
  • Liturgischer Funktionalität
  • Städtebaulicher Integration

Das Projekt realisiert eine klare Dialektik:

Der Altbau wird als städtebauliches Zeichen gewahrt, während die architektonisch differenzierte Raumfolge im neuen Saal kulminiert.

Fazit: Wer Leifers besucht und die Pfarrkirche betrachtet, sieht auf den ersten Blick ein mittelalterliches Kirchlein. Beim Eintritt entdeckt man jedoch einen radikalen modernen Sakralraum, der den Altbau nicht ersetzt, sondern durch einen klaren, materialbewussten Neubau ergänzt. Ein Meisterwerk sensibler Architektur, das zeigt, wie man Historie bewahrt und gleichzeitig neu denkt.


Galerie

28.09.2007


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