Ort: Kalterer See, Südtirol
Architekt: the next ENTERprise
Homepage: https://www.tne.space/
Fotos: Gerald Langer
Inhaltsverzeichnis
Beschreibung
Ein kleines Juwel am Kalterer See
Das Seebad Kaltern am Kalterer See in Südtirol ist ein architektonisches Meisterwerk, das die Typologie des öffentlichen Schwimmbads radikal neu interpretiert.
Entworfen von the next ENTERprise, einem Wiener Architekturbüro unter der Leitung von Marie-Therese Harnoncourt-Fuchs und Ernst J. Fuchs, wurde die Anlage 2006 fertiggestellt und avancierte sofort zu einem der bedeutendsten Betonbauten der jüngeren Zeit.
Der Ort war vorgegeben:
Am Westufer des naturgeschützten Kalterer Sees, dessen Ufer durch einen Schilfgürtel weitgehend unzugänglich ist. Die Herausforderung bestand darin, einen Zugang zum Wasser zu schaffen, ohne die landschaftliche Integrität zu verletzen.
Das Ergebnis ist ein monumentaler Gusskörper aus Stahlbeton – ein fugenloser Block, der auf sieben unterschiedlich ausgeformten Stützkernen ruht. Zwei dieser Kerne durchdringen das obengelegene Mehrzweckbecken wie Felsgipfel und bilden im Inneren intime, natürlich belichtete Zonen – den Whirlpool und den sogenannten Regenraum.
Diese architektonische Dramaturgie verwandelt das Seebad Kaltern in eine sequenzielle Erfahrung, bei der sich Badegäste durch verschiedene Licht- und Raumqualitäten bewegen.
Die Anlage ist auf zwei Ebenen konzipiert: dem „Sonnendeck“ oberhalb und der darunter liegenden „Aquariumsebene“.
Luftige Holzpavillons mit Panoramablick ergänzen den Betonkörper und schaffen eine Materialkontrastierung, die den monolithischen Charakter des Bauwerks nicht zerstört, sondern harmonisch auflöst. Die breite Freitreppe führt zur Sitztribüne, die sowohl zum Sonnenbaden als auch als Zuschauerplattform für Kulturveranstaltungen genutzt wird.
Es ist eine Inszenierung von Landschaft, Wasser und Licht, bei der Architektur zur Choreografie wird. Der Beton bleibt sichtbar, rau – kein Versuch der Verkleidung, sondern eine bewusste Aussage über Material und Konstruktion.
Im Kontext alpiner Bäderarchitektur nimmt das Seebad Kaltern eine Sonderstellung ein. Es verzichtet auf dekorative Effekte und setzt auf eine stille, fast sakrale Qualität. Gerade in einer Zeit, in der Freizeitbauten oft auf spektakuläre Gesten zielen, wirkt dieser Ansatz geradezu subversiv.
Das Seebad Kaltern ist damit nicht nur Funktionsbau, sondern architektonisches Statement:
Ein Werk von the next ENTERprise, das mit seiner Betonarchitektur, landschaftlichen Sensibilität und räumlichen Dramaturgie besticht – und damit den Architekturpreis Beton 2007 gewann.
Galerie
28.09.2007













