Ort: Kalterer See, Südtirol
Architekt: Othmar Barth, Walter Angonese
Homepage: https://www.seehotel-ambach.com/de/
Fotos: Gerald Langer
Inhaltsverzeichnis
Beschreibung
Seehotel Ambach: Eine architektonische Stilikone am Kalterer See
Direkt am Nordost-Ufer des Kalterer Sees in Südtirol liegt das Seehotel Ambach – ein Meisterwerk der Südtiroler Moderne und einer der bedeutendsten architektonischen Gastbetriebe Italiens. Eröffnet wurde das Hotel 1973 von Anna Ambach (1926–2014), die es anschließend vier Jahrzehnten unverändert führte.
Der Architekt Othmar Barth
Den einzigartigen Charakter des Ortes erfasst hat Othmar Barth (1927–2010), der als „Doyen der Südtiroler Moderne“ gilt und die Architektur in Südtirol maßgeblich geprägt hat. Barth war nicht nur der Leibarchitekt der Gastwirtefamilie Ambach-Maran, sondern auch ein Freund des Hauses. Drei Jahre lang plante er das Seehotel sorgfältig: Er beging die Gegend mehrfach, studierte alle Details und entwickelte eine unverwechselbare Hotelarchitektur speziell für diesen Ort.
Architektur als „Schiff im Hafen“
Der Baukörper erscheint wie ein Schiff im Hafen – eine Metapher, die das Hotel bis heute beschreibt. Seine abgerundete geometrische Form sorgt dafür, dass alle Zimmer zum See hin liegen. Terrassen, Glasfenster bis zum Boden und weiße Loggien öffnen sich vollständig zur Landschaft. Barth schuf mit dem Seehotel Ambach eine Symbiose von Innenraum mit der Landschaft, ein gelungenes Beispiel für das Bauen in der Natur.
Das Gebäude ist charakterisiert durch klare Linien und Geometrien, weiß abgeschlossen mit verputzter Betonmauerwerk. Dieses typische Sprachbild der frühen 1970er-Jahre machte das Hotel zunächst umstritten: Einheimische bespöttelten es als „Schiff“ oder „gestrandetes Schiff“, die Architektur wurde damals nicht geschätzt.
Ein Gesamtkunstwerk aus den 1970er-Jahren
Barth betrachtete das Seehotel Ambach als eine seiner erfolgreichsten Arbeiten und verbrachte hier oft seine Ferien. Er entwarf nicht nur das Gebäude, sondern auch Teile der Einrichtung exklusiv für das Hotel, kombinierte sie mit Lampen und Sitzmöbeln der italienischen Moderne. Das Interieur sieht heute noch genauso aus wie vor 40 Jahren – ein Glücksfall für die Architektur.
Anna Ambach durfte nichts ändern ohne Barth’s Genehmigung, was sich nachträglich als architektonischer Glücksfall entpuppte. Erst nach dem Eigentümerwechsel 2014 begann der Neffe Klaus Maran mit behutsamen Modernisierungen gemeinsam mit Architekt Walter Angonese, der große Werte auf stilvolle Sanierung im Geiste der 1970er legt.
Das Seehotel Ambach ist heute ein architektonisches Highlight, ein Anlaufpunkt für Architektur-Exkursionen und ein Boutique-Hotel, dessen utopischer Geist erst jetzt vollkommen geschätzt wird. Es zeigt, dass moderne regionale Architektur in Südtirol eigenständig möglich ist – ohne alpenländische Dekorationen.
Nach dem Eigentümerwechsel 2014 beauftragte Klaus Maran (Anna Ambachs Neffe) Walter Angonese mit der behutsamen Modernisierung des Hotels.
Angonese legte großen Wert auf eine stilvolle Sanierung im Geiste der 1970er-Jahre und plante sämtliche Eingriffe unter dem Zeichen eines respektvollen Umgangs mit der Vergangenheit.
Galerie
28.09.2007








